Film Nr. 16: Lord Of War
(OT: Lord Of War)
USA 2005
Regie: Andrew Niccol
mit: Nicolas Cage, Jared Leto, Ethan Hawke
Kinostart: 16. Februar 2006
Inhalt:
Der aus der Ukraine stammende Yuri Orlov hat keine Lust im Restaurant seines Vaters zu versauern. Little Odessa, der Stadtteil von New York, indem er zu Hause ist, wird von der russischen Mafia regiert - Morde und Vergeltungsanschläge sind dort an der Tagesordnung. Yuri begreift schnell, dass die Menschheit nicht nur essen muss, sondern auch einen ständigen Drang hat, sich gegenseitig umzubringen. Was liegt hier näher als diesen Drang zu seinem eigenen Nutzen umzumodeln, und Waffenhändler zu werden. Kleine Geschäfte für Gangmitglieder sind ihm bald zuwider, Yuri fühlt sich zu Höherem berufen. Er liefert seine Waffen direkt in die Krisenregionen der Welt. Ob Freund oder Feind - ihm ist es egal, wer sich mit seinen Waffen umbringt, solange er diese geliefert hat und sein Kontostand weiter anwächst. Als schließlich der eiserne Vorhang in der Sowjetunion fällt, ergreift Yuri seine Chance. Er ist der erste von seinen Kontrahenten, der vor den riesigen Arsenalen steht, die mit zigtausend nun unnötiger Waffen der russischen Armee gefüllt sind. Da trifft es sich natürlich nicht schlecht, wenn man einen Verwandten hat, der für all diese Waffen zuständig ist und nach etwas Schmiergeld, bereit ist, die Kalaschnikovs, Raketenwerfer, Panzer oder Kampfhubschrauber kostengünstig abzugeben. Von nun an kann Yuri niemand mehr bremsen, er beliefert nun die größten Diktatoren und Stammesführer der Welt. Erst als ein Agent von Interpol ihm nach jahrelanger Hatz auf die Schliche kommt, und Yuris Frau von den Machenschaften ihres Mannes erfährt, hängt Yuri seine Geschäfte an den Nagel. Doch so leicht wird man seine skrupellosen Kunden nicht los, denn diese sind über Yuris Ausstieg gar nicht begeistert.
Kritik:
Zu Beginn lernen wir Yuri kennen. Er trägt einen schwarzen Anzug und hat einen schwarzen Koffer in der Hand. Der Mann sieht aus, wie ein gewöhnlicher Handlungsreisender, würde er nicht in einem Meer von Patronenhülsen stehen. Yuri spricht direkt den Zuschauer an und sagt: "Jeder zwölfte Mensch auf der Welt besitzt heute eine Waffe", und er fährt fort, "die Frage ist, wie munitioniere ich die anderen elf." Dieser lakonische Tonfall, in der Yuri seine Geschichte erzählt, wird uns den ganzen Film über begleiten. Die darauffolgende toll inszenierte Eröffnungssequenz, in der wir eine Munitionspatrone von der Herstellung, über die Auslieferung, bis zum finalen Einsatz verfolgen, zeigt den gesamten Zynismus, den realen Wahnsinn, den "Lord of War" ankreiden will. Es ist schwer den Anti-Helden Yuri, trotz seiner blutigen Geschäfte, nicht zu mögen, denn der Zuschauer wird suggestiv auf seine Seite gezogen. Dieser skrupellose Händler des Todes, hegt keinen Zweifel daran, dass er keine moralischen Bedenken kennt. Wenn eine AK-47 abgefeuert wird, hört Yuri nicht die Waffe, sondern nur seine Kasse klingeln. Dazu meint er lapidar, wenn er die Waffen nicht verkaufen würde, bekäme jemand anderes das Geld. "Er hätte auch Bin Laden beliefert, doch dessen Schecks seien ständig geplatzt", solche Kommentare dominieren diese einzigartige Mischung aus Action-Film und Politsatire, die Regisseur Andrew Niccol ("Gattaca"), mit sehr großer Detailfülle und Hintergrundwissen angereichert hat. Natürlich kann man dem Film vorwerfen, er würde den Waffenhandel glorifizieren. Aber wenn am Ende der Mann von Interpol, der als Einziger noch Moral und Anstand aufrecht erhält, selbst desillusioniert die Flinte ins Korn wirft, erfährt auch das Publikum, wer die wahren Drahtzieher und Nutznießer des weltweiten Waffenschmuggels sind. Und dagegen ist selbst Yuri Orlov ein kleiner Fisch!
Wissenswertes:
- Kein US-Studio war bereit, den Film zu finanzieren. Ausländische Investoren stellten das Geld zur Verfügung.
- Die Filmmacher arbeiteten mit echten Waffenhändlern zusammen. Die echten AK-47 Gewehre zu beschaffen, war billiger, als wenn man Attrappen hätte herstellen müssen. Die Panzer waren ebenfalls echt und gehörten einem Tschechischen Waffenhändler, der die Filmcrew anhielt, schneller zu arbeiten, da sie für den Weitertransport nach Lybien bestimmt waren.
Bewertung: 8 von 10


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